Freitag, 19. Oktober 2012

Rezension Klassenziel von T. A. Wegberg


Taschenbuch: 288 Seiten
Verlag: rororo (1. August 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3499216248
ISBN-13: 978-3499216244
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 13 - 16 Jahre





Kurzbeschreibung:
«Morgen gibt’s Zeugnisse», sagte Dominik. Wir starrten beide geradeaus in die Dunkelheit. Ich versuchte, mein Zittern zu unterdrücken. «Du kriegst ja bestimmt wieder eins zum Einrahmen», fuhr er fort. Und nach einer Pause: «Und ich hab das Klassenziel nicht erreicht.» Ich gab immer noch keine Antwort. «Aber es gibt ja noch andere Ziele. Höhere Ziele. Oder bewegliche Ziele.» Er lachte, und ich fragte mich, was daran witzig sein sollte. Siebzehn Leben hat Dominik bei einem Amoklauf in der Schule ausgelöscht – und am Ende auch sein eigenes verloren. Schuldgefühle, Trauer, Medienrummel und die Trennung seiner Eltern bringen Dominiks Bruder Jamie an seine Grenzen. In Berlin muss er wieder bei null anfangen und versuchen, sich ein neues Leben aufzubauen. Nicht ganz einfach, wenn die eigene Familie in Trümmern liegt und man ständig Angst haben muss, als Bruder eines Massenmörders erkannt zu werden. Doch dann lernt er Kenji kennen, der Musikmachen genauso liebt wie Jamie und sogar eine eigene Band hat ... www.rororo.de


Meine Meinung:
Ich habe noch nie ein Buch solcher Art gelesen. Dominik, kurz Nick, tötet an seiner Schule 17 Schüler und Lehrer und verliert dann sein eigenes Leben. Doch wie geht die Familie mit solch einer Tragödie um? Wie fühlt man sich als Mutter oder als Vater? Wie sogar als Bruder, wenn man schon immer gewusst hat, dass Nick ein bisschen anders war? Genau darum geht es in diesem Buch.

Die Geschichte wird abwechselt in der Gegenwart und der Zukunft erzählt. Ich muss zugeben ich habe eine Weile gebraucht um das mitzukriegen und mich da rein zu finden. Zwar werden auch die Zeitformen dementsprechend angepasst, aber auf sowas achte ich nicht besonders beim Lesen. Die Stimmung ist das ganze Buch über ziemlich bedrückend. Die Familie ist schon zu Beginn des Buches nicht sehr kommunikativ. Es wird nicht über Probleme gesprochen und es gibt auch keine freundschaftliche Beziehung zwischen Benjamin und Nick.

Nick ist, um es grob zu sagen, ein Musterbeispiel für den Amoklauf. Es treffen hier viele Klischees aufeinander. Er spielt gewalttätige Computerspiele, ist eher das schwarze Schaf der Familie ohne Freunde. Er ist sehr isoliert und eifersüchtig auf die Beliebtheit seines Bruder Benjamin. Das fand ich echt ziemlich schade. Denn jeder Amoklauf resultiert aus verschiedenen Komponenten. Allerdings ist es nachvollziehbar, so ein Amoklauf findet nicht von heute auf morgen statt, sondern es bedarf mehrerer Einflüsse, die alle auf einmal auf Nick einwirken und mit denen er nicht klar kommt.

Ein negativer Aspekt ist der Fakt, dass man schon weiß, dass Nick einen Amoklauf begeht. Wenn man das nicht schon vorher wissen würde, bleibt die Frage ab wann der Leser merkt, dass Nick so etwas plant, ab wann man die kleinen Hinweise zu einem Bild zusammenfügen kann. Denn fast die gesamte Familie hatte nicht das geringste gemerkt. Nur Benjamin, wenn auch etwas zu spät. Aber so ist es ja bestimmt auch oft bei Fällen, die man aus dem TV kennt. Niemand hatte den Verdacht, dass die betroffene Person so etwas plant.

Benjamins Entwicklung wird im Buch ziemlich deutlich, wenn sie für mich auch etwas zu schnell vonstatten geht. Nach dem Amoklauf verändert sich sein gesamtes Leben. Er verliert seine Freunde, wird zum Ausgestoßenen, zum "Neuen" an einer neuen Schule. Er beginnt die Menschen zu lesen und ihnen zu misstrauen, was ich richtig gut finde und vollkommen verständlich. Er fragt sich oft, was Nick wohl getan hätte, wie es ihm ergangen wäre. Allerdings findet er an der neuen Schule schnell Freunde und ist ziemlich schnell wieder glücklich und denkt selten an seinen Bruder. Fand ich ein bisschen seltsam.

Fazit                                                                                               

Ein Buch, das etwas nachdenklich macht und zeigt, dass man Dinge hinterfragen sollte und was aus Menschen werden kann, wenn sie so sehr in sich gekehrt sind. Punkt Abzug gibt es für das Klischee und Benjamins schnelle Erholung. Ansonsten ein tolles Buch. :)
4/5 Punkte.

Einen herzlichen Dank an LovelyBooks und an T. A. Wegberg für dieses Buch und die diskussionsreiche Leserunde. :)

Kommentare:

  1. Gut auseinander genommen! Ich scheue immer solche Bücher, weil ich denke, dass sie mir zu hart sind :P Mit Wechseln habe ich immer Probleme - besonders, wenn es um die Perspektive geht. Zeitformen finde ich ok. Obwohl ich beim Lesen nie darauf achte, welche Zeitform verwendet wird - bis mir mittendrin ein Präsens auffällt und ich mich frage "War das im ganzen Buch so?" :-)

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    1. Danke dir! Ja eigentlich scheue ich solche Bücher auch, da sie mich sehr bedrückt zurücklassen und ich mich manchmal sogar freue, wenn sie zu Ende sind und ich ein fröhliches lockeres Buch lesen kann. Aber natürlich sind solche Themen wichtig und realistisch und vor allem sollte man ihnen Beachtung schenken.
      Liebe Grüße dir! :)

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